Inside 89ers – Double Play

Faszination Baseball – und das gleich im Doppelpack: denn heute schauen wir mit den Brüdern Sebastian und Tobias Howen, beide langjährige Spieler der Braunschweig 89ers, hinter die Kulissen unseres Vereins und freuen uns auf viele spannende Geschichten rund um Strikeouts, Homeruns und den Traum vom Perfect Game.

Sebastian und Tobias, ihr spielt beide schon sehr viele Jahre, ja man kann sagen Jahrzehnte für die 89ers. Doch begonnen hat eure Baseballgeschichte in der Nachbarstadt Salzgitter – und daher sind wir natürlich gespannt, wie ihr den Weg zum Baseballsport generell und später nach Braunschweig gefunden habt.



Sebastian: Diese Frage stellt für mich eine sehr angenehme Zeitreise in eine völlig andere Baseballzeit dar, und du kannst mir glauben: ich hab gerade ein breites Grinsen im Gesicht. Ich habe 1992 bei uns in Salzgitter im Park mit Baseball begonnen. Einen ersten Impuls hat für viele von uns der Film "Die Indianer von Cleveland" gegeben, denn Baseball war in Salzgitter bis dato Neuland. Bases haben wir uns aus Holz gemacht und mit Nägeln in den Boden gerammt. Wir besaßen, glaube ich, zwei Holzschläger und der Großteil von uns auch einen Handschuh. Wie gesagt, der Großteil, ich nicht. Dazu muss ich sagen, dass unser Equipment aus dem Supermarkt kam. Leider gab es für mich als Linkshänder erstmal keinen passenden Handschuh; also spielte ich die ersten zwei Monate im Outfield mit einem Handschuh für Rechtshänder. Wenn ich einen Ball gefangen habe, musste ich den ausziehen, um zu werfen. Heute undenkbar. Unser Catcher hatte auch keine Ausrüstung. Das war schon grenzwertig und unsere Spieltage waren durch dieses Gesamtbild auch von Verletzungen geprägt. Unser erster Coach war Amerikaner und der brachte uns auf die Idee, eine eigene Sparte in einem Verein ins Leben zu rufen - und so waren die „Salzgitter Sluggers“ geboren. Unsere erste Saison 1993 war durch Niederlagen bestimmt - und da es zu dem Zeitpunkt keine Mercy-Rule gab - auch gerne mit einer Differenz von über 40 Punkten. Ich habe also gelernt, mit Niederlagen umzugehen. Anfangs habe ich noch im Outfield gespielt und über die Jahre dann verrückterweise (jedenfalls für einen Lefty) Shortstop und ab 1996 dann Pitcher. 1998 haben sich die Sluggers aufgelöst und die Baseballreise ging mit den Lindenberg 89ers weiter...und dies bis heute.

Tobias: 1992 begann Sepp damit, Baseball im Stadtpark mit seinen Freunden zu spielen. Als zwölfjähriger kleiner Bruder schaute ich ihm und den anderen Älteren meistens bei diesem Spektakel zu. Zu diesem Zeitpunkt lebte auch Scally, ein Mormone aus den USA, in Salzgitter-Lebenstedt. Er kam regelmäßig vorbei, um als Trainer seine Erfahrungen an die Spieler weiterzugeben. Als er mich nun des Öfteren am Spielfeldrand sah, fragte er mich, ob ich nicht mitspielen wolle. Dies verneinte ich, da ich definitiv nicht mit den älteren mithalten konnte. Er ließ nicht locker und stellte mich vor die Wahl: entweder ich spiele nun mit oder ich mache dreißig Liegestütze. … seitdem spiele ich Baseball. 1993 konnten wir mit einer neuen Sparte dem TSV-Salzgitter beitreten und in diesem Jahr unsere erste Saison im NBSV spielen. Ich selbst habe in der ersten Saison selten gespielt, da es mit den älteren Spielern genug Alternativen gab. Erst in den Folgejahren schrumpfte unser Kader durch Abgänge aufgrund von Abitur/Studium; daher bekam ich mehr und mehr Spieleinsätze und konnte durch Training und Spielpraxis meine Leistung stetig verbessern. 1997 wechselte ich dann zu den Braunschweig Explorers, um hier auf höherem Niveau weiter zu spielen.


Sebastian und Tobias, wie viele Baseballspieler der 89ers seid ihr dem Sport seit frühester Jugend treu geblieben. Was macht für euch die „Faszination Baseball“ aus?

Sebastian: Die gesamte Faszination kann ich hier sicher nicht wiederspiegeln, aber nach sportlichen Abstechern vom Geräteturnen über Karate stellte Baseball meine erste Teamsportart dar. Das Besondere am Baseball ist sicher, dass du auf der einen Seite gemeinsam als Team agierst und auf der anderen Seite am Schlag allein auf dich gestellt bist. Weiterhin genieße ich beim Baseball in unserer Region die familiäre Atmosphäre zwischen den Teams. Das heißt nicht, dass man während des Spiels nicht alles gibt, um zu gewinnen, aber danach ist genug Zeit, um gemeinsam auf den Spieltag anzustoßen und das bei einigen Gegnern seit über einem Jahrzehnt. Außerdem macht beim Baseball von allen Ballsportarten der Spieler den Punkt und nicht der Ball.

Tobias: Für mich ist es die Gesamtheit aus mehreren Punkten: zum einen der Sport mit der Herausforderung in Athletik und Ausdauer, dem Aufrechthalten der Konzentration über Stunden, dem großen taktischen Anteil und der Wichtigkeit der Präzision in den körperlichen Abläufen. Zum anderen ist es die familiäre Atmosphäre auf und neben dem Platz. Es sind nicht nur Spieltage sondern große Treffen im Freundeskreis. Baseball bietet eine Gemeinschaft, die nicht nur auf dem Platz existiert. Wir spielen nicht nur Baseball und fahren im Anschluss nach Hause. Baseball ist Bestandteil unseres Lebens und prägt uns.


Sebastian, du bist seit vielen Jahren als Pitcher für die 89ers aktiv, davon lange Zeit auch in der zweiten Bundesliga. Nun ist das Pitching eine besonders exponierte Position im Baseballspiel. Was macht für dich das Pitching aus und was muss ein guter Pitcher mitbringen, um auf dieser Spielposition erfolgreich zu sein.

Als Pitcher bist du voll im Fokus des Spiels, daher hast du durch dein Auftreten auch die Möglichkeit, dein Team zu beeinflussen. Es hilft niemandem auf dem Feld, wenn ich nach einem Fehler im Spiel oder einer Entscheidung des Umpires ausraste. Diese Unruhe führt eher zu einer schlechten Teamleistung. Als Pitcher stehst du dadurch sehr unter Druck, und diesen musst du beherrschen. Eine konstante Wurfleistung ist natürlich maßgeblich. Damit meine ich nicht fünf unterschiedliche Pitches, aber man sollte schon in der Lage sein, mehr Strikes als Balls an einem Spieltag zu werfen.


… und das Perfect Game * – der Traum eines jeden Pitchers oder doch eigentlich eher etwas für die amerikanischen Profis?

Welcher Pitcher würde sich nicht freuen, wenn er ein Perfect Game wirft. Vielleicht komme ich ja nochmal in den Genuss. Baseball ist ja ein Statistik-Spiel und eines meiner Ziele in jedem Spiel ist es immer, keinen Walk zu werfen. Schlagleute sollen es sich verdienen, auf Base zu kommen. Ich will keine Geschenke verteilen. Das klappt für gewöhnlich ganz gut und bis zum Perfect Game reicht mir das erstmal.


Tobias, Pitcher, 1st Baseman und als Schlagmann für zahlreiche Homeruns bekannt: welche Spielposition liegt dir denn besonders am Herzen?

Ich möchte mich da nicht genau festlegen. Natürlich ist das direkte Duell mit dem Pitcher etwas ganz Besonderes. Hier hilft einem niemand, und es gibt keine Ausreden. In diesem Moment muss man liefern. Selbstverständlich ist es ein tolles Gefühl, hier als Sieger rauszugehen und sich bestätigt zu sehen - auch wenn es statistisch gesehen in weniger als der Hälfte der Fälle passiert. Aber ausschließlich als Schlagmann zu spielen, würde mich nicht zufriedenstellen. Es fehlt etwas. Gerade auf der Position als 1st Baseman bin ich mitten im Spielgeschehen und habe mehr Spielanteile. Die hier erzielten vielen kleinen Siege - zum Beispiel durch Spielzüge im Infield - sind Teamleistungen und mindestens genauso stark zu gewichten. Diese Kombination aus Offensive und Defensive macht Baseball für mich zu etwas Besonderem.


Sebastian und Tobias, auch in euren Familien setzt sich die Baseballleidenschaft in der nächsten Generation fort, denn eure Kinder spielen ebenfalls in der großen „89ers-Familie“ mit. Was ist denn aus eurer Sicht wichtig, um Kinder und Jugendliche für diesen in Deutschland eher ungewöhnlichen Sport zu begeistern?

Sebastian: Erstmal ist es grundsätzlich wichtig, dass Kinder überhaupt Sport ausüben - egal welchen. Eine gewisse Sportlichkeit ist natürlich auch beim Baseball unerlässlich. Schön ist aber, dass man, wenn man erstmal die unterschiedlichen Stärken eines Kindes entschlüsselt hat, auch die passende Position für die Kids finden kann. Davon hat Baseball schließlich viele zu bieten. Wie oben schon beschrieben, können auch Neulinge in einer angenehmen Atmosphäre Sport ausüben. Wie mir viele Eltern unser Schülerspieler immer wieder bestätigen, kommt dies sehr positiv an. Jedes Kind wird gleich im Team aufgenommen und bekommt auch schnell die Chance, sich zu beweisen. Dies machte es auch meinen eigenen Kindern gleich leichter. Beleidigende Rufe von der "Seitenlinie" kommen beim Baseball nicht vor.

Tobias: Ich glaube, dass Kinder von Herzen gerne draußen sind und mit anderen spielen. Dies ist selbstverständlich nicht nur beim Baseball so. Da man hier jedoch recht viel Zeit auf und neben dem Platz verbringen kann, ist es einfach ein großer Spaß - und der wirkt ansteckend. Hierdurch verliert die heutige große Medienvielfalt an Bedeutung. Durch die Spielart steht jedes Kind im Mittelpunkt des Spiels und kann sich behaupten, was zur Stärkung des Selbstbewusstseins führt. Zeitgleich ist es ein Teil eines großen Teams, welches zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Alleine wenn man bei Spielen der Jugend / Schüler dabei ist, begeistert die dort herrschende Atmosphäre. Durch die unterschiedlichen Inhalte wie Schlagen, Werfen und Fangen in Bezug auf mehrere Positionen gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich zu entwickeln und mit Freude dabei zu sein. Das aktuelle Problem ist im Allgemeinen immer noch die Bekanntheit des Sports. Hier ist es unerlässlich, regelmäßig durch Aktionen o. ä. auf sich aufmerksam zu machen. Da sind wir hier in Braunschweig schon auf einem sehr guten Weg, der mit viel Arbeit und persönlichem Engagement verbunden ist. Ich möchte die Gelegenheit als Vater eines Schülerspielers nutzen und mich dafür bei allen Beteiligten herzlichst bedanken.


Sebastian, du bist sei einigen Jahre auch als Trainer der 89ers-Schülermannschaft aktiv. Was ist aus deiner Sicht wichtig, um Nachwuchsbaseball in Braunschweig noch bekannter und attraktiver zu machen, und welche Voraussetzungen sollten Kinder und Jugendliche für diesen Sport mitbringen?

Was die Erweiterung unseres Bekanntheitsgrades betrifft, sind wir aufgrund unserer derzeitigen Öffentlichkeitsarbeit schon auf einem guten Weg. Wir sollten in der kommenden Zeit versuchen, uns die zahlreichen Neubaugebiete vor „unserer Haustür“ besser nutzbar zu machen. Dort gibt es sicher viele Kids, die nicht immer nur Fußball spielen möchten. Über die sportlichen Voraussetzungen hab ich ja schon etwas gesagt. Eigentlich muss ein Kind nur Lust auf Bewegung haben. Wenn sich ein Spieler dabei auch gerne etwas „quälen“ will, steht einer guten Baseball-Entwicklung nichts mehr im Wege. Aber es muss nicht immer jeder ein Superstar werden.

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