Inside 89ers – Coaching Zone (Part 1)

„A good coach will make his players see what they can be rather than what they are.”

(Ara Parseghian)


Was also könnte im Sport neben Talent und Motivation wichtiger sein als ein guter Coach? Dieser Frage wollen wir heute in unserer 89ers-Interviewreihe nachgehen und möchten euch zu diesem Zweck drei unserer Nachwuchstrainer vorstellen. Magnus Bader, Mika Kockmann und Simon Motz und werden uns aus ihrem bewegten Baseballleben erzählen und uns einen kleinen Einblick in die Geheimnisse des Baseballcoachings geben.

Drei Trainer, drei unterschiedliche Baseball-Lebensläufe – daher sind wir natürlich sehr gespannt zu hören, wie ihr zum Baseballsport gekommen seid und welche verschlungenen Baseballpfade euch zu den 89ers nach Braunschweig geführt haben.


Magnus: Ich habe vor 24 Jahren in der Schule an meinem Heimatort in Bayern an einem Schnuppertraining teilgenommen und war sofort fasziniert. Den Ball wegzuschlagen ist ein unbegreifliches Gefühl. Diese Leidenschaft hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Am Ende meines Studiums wurde jedoch relativ schnell klar, dass ich in Bayern keine Arbeit finden werde. Ich musste etwas Neues wagen. Da ich hier im Norden niemanden kannte, habe ich mich nur für Regionen beworben, in denen es Baseball gibt. Denn über den Sport findet man sehr schnell Anschluss - und so war es auch. In meiner ersten Woche in Braunschweig habe ich bereits mittrainiert, in der zweiten Woche absolvierte ich mein erstes Spiel im Trikot der 89ers.


Mika: Angefangen hat es bei mir damit, dass meine Eltern - als ich zwei Jahre alt war – arbeitsbedingt nach Amerika gezogen sind. Interessanterweise habe ich dort allerdings nur Fußball im Verein gespielt. Durch unsere dortigen Nachbarn - und mittlerweile auch Ersatzgroßeltern – bin ich aber auf den Geschmack von Baseball gekommen. Mit ihnen zusammen habe ich mit einem riesigen Plastikschläger auf Wiffleballs gehauen. Richtig begonnen hat es dann 2003/2004 als wir wieder zurück nach Deutschland gezogen sind. Dort habe ich direkt einen Baseballverein gesucht und als „kleiner Knirps“ mit den für mich damals ganz Großen bei den Kiel Seahawks angefangen. Nach dem Abitur bin ich aufgrund meines Studiums in Braunschweig gelandet, wo ich natürlich direkt die Braunschweig 89ers aufgesucht habe.

Simon: Bei mir war es völlig unspektakulär. Ich habe 1999 in der sechsten Klasse an einer Baseball-AG im Lindenberg teilgenommen. Ich habe am ersten Tag keinen einzigen Ball getroffen. Dann kam einer der Coaches auf die Idee, mich von links schlagen zu lassen (eine ausgezeichnete Idee als Linkshänder). Das hat geklappt. Sehr gut sogar. Das Gefühl den Ball weg zu schlagen fand ich so cool, dass ich das öfter machen wollte - und so bin ich dann sehr schnell ein 89er geworden.


Nun ist selber aktiv Baseball zu spielen die eine Seite der Medaille, Nachwuchsspieler unterschiedlicher Altersklassen zu trainieren aber noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Was ist eure Motivation, bei den 89ers mit dem Nachwuchs zu arbeiten?

Magnus: Als ich 2016 nach Braunschweig kam, freute ich mich nicht nur darauf, hier selber Baseball spielen zu können, sondern konnte mich auch sehr schnell in der Nachwuchsarbeit einbringen. Das Thema „Nachwuchsgewinnung und Nachwuchsförderung“ stand zwar immer ganz oben auf der Agenda der 89ers, doch wie so oft in der ehrenamtlichen Arbeit, ist es manchmal schwer, Freiwillige zu finden, die sich neben Beruf und Familie hier noch engagieren können. Ich freute mich, diese Lücke zu füllen und fand mit Max Jaeger und Mika Kockmann, beide erfahrene Spieler der 1. Herrenmannschaft, schnell zwei zuverlässige und motivierte Mitstreiter im Traineramt. Begonnen haben wir mit sechs Kindern, die einmal in der Woche trainiert haben. Durch Werbung in Schulen und auf Sportveranstaltungen haben wir inzwischen einer Vielzahl von Kindern und Jugendlichen das Baseballspiel in Braunschweig nahegebracht und damit viele neue Mitglieder im Nachwuchsbereich gewinnen können. Seitdem haben alle Beteiligten enorm viel Zeit, Arbeit und Energie in dieses Projekt gesteckt - und es hat sich wirklich gelohnt! Die Zahl der baseballbegeisterten Kinder wächst kontinuierlich, der sportliche Erfolg stellt sich ein – und darauf können wir mit Recht sehr stolz sein. Mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, ist nicht nur mein Beruf als Lehrer. Mein Wissen weiterzugeben, junge Talente zu fördern und zu fordern, ist mein Herzensprojekt. Kinder und Jugendliche brauchen ein Umfeld, das sie dauerhaft anregt, emotional ansteckt, das sie stärkt und ermutigt, die Initiative zu ergreifen, sich zu behaupten, sich dem Wettbewerb zu stellen und sich in einer Gruppe zu etablieren. Dies alles können sie nur lernen und üben im Zusammenspiel mit Erwachsenen. Im Leben wie im Baseball braucht es dazu Mentoren und Lehrer, die ihre Begabungen und Eigenarten wirklich kennen, sie einzuschätzen wissen und sie deshalb auch entsprechend fördern zu können.


Mika: Als ich in Kiel angefangen habe zu trainieren, habe ich mehrere Sportarten gleichzeitig ausgeübt. Es war für lange Zeit ein Jonglieren zwischen Fußball, Baseball und oft einer dritten Sportart. Vorrang hatte allerdings damals schon das Baseballspiel. Irgendwann führte beim Fußball ein häufiger Trainerwechsel dazu, dass ich mit diesem Sport aufgehört habe. Dadurch habe ich gelernt, wieviel der Trainer den Fortschritt und - für mich am Wichtigsten - die Teammoral und den Spaß beeinflussen kann. Im Gegensatz zum Fußball ist unser damaliger Baseballtrainer Martin Schmidt uns treu geblieben und hat immer für Spaß und Motivation gesorgt, auch wenn wir am Anfang so gut wie alle Spiele in der Jugend verloren haben; bis wir irgendwann genug Erfahrung hatten, sich „der Spieß gedreht hat“ und wir sogar zur deutschen Meisterschaft fahren durften. Als ich dann bei den 89ers gefragt wurde, ob ich als Coach die Schüler unterstützen könne, war meine Motivation, diese Moral, die mir mein Coach damals mitgegeben hat, an den Nachwuchs weiterzugeben. Es geht nicht nur ums Gewinnen! Es geht um das Teamgefühl und den Spaß am Spiel!


Simon: Oh, das ist vielseitig. Ich selbst habe in meinem Werdegang sehr vom Coaching meiner früheren Trainer profitieren können. Vor allem Lars Witte hat so viel Zeit in meine spielerische Entwicklung gesteckt, dass ich ihm das nicht in drei Leben zurückzahlen könnte. Dank ihm hatte ich die Möglichkeit, in der Niedersachsenauswahl und in der Nationalmannschaft bestehen zu können. Eine Motivation ist es, das, was ich als Jugendlicher erfahren durfte, zurückgeben zu können. Ich will jungen Spielern die Möglichkeiten bieten, die ich seinerzeit hatte. Ich möchte mein Wissen weitergeben können.

Zweitens ist Baseball eine tolle Analogie für das Leben. Der Sport ist nicht nur ein Sport - und was wir lernen hat auch Bestand im Privatleben neben dem Sport. Mich motiviert es, die Jugendlichen nicht nur zu besseren BaseballspielerInnen zu machen, sondern sie vielleicht auch ein wenig besser auf ihren persönlichen Werdegang vorbereiten zu können. Ich hatte das Glück, durch den Sport und meine persönliche Ausbildung viel lernen zu dürfen. Das möchte ich teilen. Im Bestfall führt das zu einer starken Baseballmannschaft, guten Menschen und ganz viel Spaß.

In letzter Konsequenz bin ich aber auch nicht ganz uneigennützig. Jugendarbeit ist Arbeit in die Zukunft des Vereins und des Sports in Deutschland. Wenn ich alt und grau bin, möchte ich noch auf den Platz kommen können, um guten Baseball zu sehen. Damit das möglich ist, müssen wir den Sport bekannter machen, junge Leute dafür begeistern und bestmöglich ausbilden. Das fängt ganz früh an und auch dafür bin ich hier


Baseball ist ein sehr komplexes Spiel mit einem umfangreichen Regelwerk und vielen athletischen Herausforderungen. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird Baseball in Deutschland immer wieder mit Stereotypen wie kompliziert und langweilig in Verbindung gebracht. Was ist denn aus eurer Sicht nötig, um diesen Vorurteilen entgegenzuwirken und das Interesse von potenziellen Nachwuchsspielern zu wecken?


Mika: Es ist, wie bei so vielen Dingen, Ansichtssache. Ich bin der Meinung, dass genau das das Spiel ausmacht. Es ist ein Spiel für jedermann. Ob man nun ein „Nerd“ oder ein „Fitnessguru“ ist, jeder kann seinen Platz im Baseballteam finden. Es ist eine Mischung aus Leuten, die man, meiner Meinung nach, in kaum einer anderen Sportart finden kann; und ja, am Anfang mag Baseball langweilig erscheinen, sobald man allerdings das Grundverständnis erlangt hat, kann das Spiel sehr spannend sein und damit auch eben selten langweilig! Selbst mit über 15 Jahren Spielerfahrung lerne ich immer wieder Neues dazu.


Simon: Ich würde das gar nicht entkräften. Baseball ist kompliziert und manchmal auch langweilig. Aber genau das sind die Herausforderungen, denen man sich als BaseballerIn stellen muss. Baseball ist ein Sport, in dem man jeden Tag dazulernt. Egal wie lange man spielt, egal wie alt man ist. Es gibt keine Perfektion im Baseball. Es geht darum, jeden Tag etwas besser zu werden, Fehler zu machen und aus diesen zu lernen. Man wächst nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch; und mit Langeweile umgehen zu können, heißt zu lernen, sich zu konzentrieren. Im Kopf dabei zu bleiben, um für den Moment, in dem es darauf ankommt, 100% bereit zu sein. Das Ganze ist damit genauso mental wie es physisch ist. Das ist sensationell an diesem Sport.

Für alle, für die das zu viel Baseball-Romantik ist: ich empfehle jedem Jugendlichen mal vorbeizukommen und mit einem Holzschläger einen Ball aufs Feld zu schlagen. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, das einen nicht mehr loslässt.


… und in Teil 2 unserer „Coaching Zone“ werden unsere Nachwuchstrainer uns an ihren Vorstellungen und Wünschen für die Zukunft des Baseballsportes in Braunschweig teilhaben lassen.


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